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Anders nackt

Das wird ein ganz persönlicher Beitrag mit einem Thema, was mich immer begleiten wird: Depressionen. Bisher ist es immer etwas untergegangen, denn natürlich kommt immer wieder ein „persönlicherer“ Beitrag, als die über Strümpfe oder kochen. Dieser Blog war der Versuche […]

Das wird ein ganz persönlicher Beitrag mit einem Thema, was mich immer begleiten wird: Depressionen. Bisher ist es immer etwas untergegangen, denn natürlich kommt immer wieder ein „persönlicherer“ Beitrag, als die über Strümpfe oder kochen.

Dieser Blog war der Versuche eine Basis zu schaffen und ein Bild zu zeichnen. Und manchmal knüpfe ich an „alte Zeiten“ an und habe einen kreativen Schub und sehe Möglichkeiten, Optionen und Projekte. Das alles spiegelt staigu wieder.

Nachdem ich mich jahrelang damit auseinandergesetzt habe, was ein Leben mit Depressionen bedeutet und über die Jahre immer mehr Einschnitte hinnehmen musste, ohne dass es die Aussenwelt wirklich bemerkt hat, habe ich mich natürlich mit dem Gedanken beschäftigt es zu thematisieren.

Rückblickend ist es fast lustig und ein bisschen naiv: ich habe immer gedacht ich bin an einem Punkt angekommen, an dem ich objektiv berichten kann, ein „Leben mit…“. Dieser Punkt ist tatsächlich bis heute nicht erreicht, denn wie so viele chronische Erkrankungen, offenbaren sie immer wieder neue Herausforderungen und Ausprägungen über die Zeit.

Lebensumstände ändern sich, Therapieansätze, Medikamente…es gibt als Betroffener nicht die Betrachterposition – nie wirklich. Und das Kreisen in den Gedanken, denen man sich ohnehin nicht entziehen kann, ist dabei nicht wirklich zuträglich.

Da ich irgendwann meinen wirklich sehr geliebten Beruf als Produzentin und Redakteurin aufgeben musste und lange Zeit meiner Leidenschaft, dem Schreiben, nicht nachgehen konnte, war die Rückkehr solcher vermeintlich einfachen Dinge wie Lesen am Stück und Schreiben ein großes Glück und Anlass etwas zu machen, was mich zumindest ansatzweise an „alte Zeiten“ erinnern würde. Diese Art Einschränkungen lehren zumindest Demut.

Es sollte bunt sein, so wie ich mein Leben eigentlich liebe und es sollte etwas sein, was nicht mit Einschränkungen und Limitierungen assoziiert wird und es sollte mir ein kleine Bühne geben, zu sein, wie ich gerne wäre.

Dabei habe ich nie aus den Augen verloren, dass mit steigender Zahl der Lesenden/Guckenden irgendwann auch die Bühne da sein wird, um das Thema wieder aufzugreifen.

Nein, nicht auf Instagram, das war als Werbung für den Blog gedacht und ist dann ein Teil meiner „ich bin noch da“ Therapie geworden. Aber es hat auch geholfen zusammen mit all den Videobeiträgen ein Bild zu erschaffen: das Bild eines strahlenden Menschen, der alles macht und kann und vor Leben strotzt.

Ich trage meine Erkrankung selten nach aussen, mache aber auf Nachfrage keinen Hehl daraus und merke immer wieder, dass mein Gegenüber mich in Erklärungsnot bringen möchte, es nicht begreifen kann und eine logische Erklärung, ein Zeichen an mir selber finden möchte und letztendlich nicht versteht.

Selbst oder gerade gute Freunde haben sich schwer getan es zu verstehen – akzeptieren ja – verstehen nein. Erst wenn es andere Freunde zusätzlich betrifft und im schlimmsten Falle nachdem sich ein anderer Mensch das Leben genommen hat, kommt eine neue Qualität in die Akzeptanz. Es ist Sorge. Doch immer noch kein Verständnis. Wie soll man auch verstehen, was Betroffene selbst nicht verstehen, sehen, was unsichtbar ist und oft widersprüchlich?

Ich werde weiter versuchen einen Weg zu finden das Thema immer und immer wieder anzusprechen – zumindest in der Öffentlichkeit. In meiner eigenen Familie habe ich das nie geschafft und es geht mir da wie sehr vielen Betroffenen: wir versuchen den unmöglichen Spat zwischen Normalität und Leben mit der Erkrankung und der eine schafft es besser, der andere schlechter.

Ich war immer sehr stolz auf meine vermeintliche Stärke und sie hat mich immerhin weit gebracht und auch einiges Gutes bewirkt. Aber sie hat mich auch irgendwann komplett getrennt, von Allen, die mir nahe standen. Und manchmal denke ich, dass es gut ist, denn viele Angehörige, die sich auf die Erkrankung einlassen, fühlen sich macht- und hilflos und leiden irgendwann fast mehr als die Betroffenen.

Was ich mir natürlich trotzdem wünschen würde ist die Akzeptanz für diese Erkrankung ohne wenn und aber. Es gibt viele Dinge, die unser Verstand nicht fassen kann, aber wir akzeptieren es. Ich bin heute noch erstaunt, wenn ein Flugzeug abhebt. Es will nicht in meinen Kopf. Ich weiss es ist Physik und akzeptiere es.

Ich kann es einfach nicht fassen, dass sich Menschen, die mitten im Leben stehen vermeintlich „plötzlich“ das Leben nehmen. Das ist unter anderem Biochemie und es passiert und sie können nicht anders. In solchen Momenten möchte jeder geholfen haben, aber es ist nicht dieser eine Moment. Es ist die Erkrankung, die schon lange arbeitet und nur mit viel Hilfe unter Kontrolle gebracht werden kann. Akzeptanz wäre ein guter Anfang, Verständnis das Ziel.

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